Ringen um den Sandershäuser Berg

Niestetals Nachbarn setzen auf deutlich umfangreichere Entwicklung

von Boris Naumann

Niestetal / Kreis Kassel - Die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes Sandershäuser Berg gewinnt an Dynamik. Im Rahmen der aktuell laufenden Beteiligungs- und Interessenausgleichsverhandlungen zwischen Niestetal und den weiteren Mitgliedskommunen des Zweckverbandes Raum Kassel (ZRK) zeichnet sich ab, dass die Niestetaler ZRK-Nachbarn auf lange Sicht viel eher eine große statt eine kleine Erweiterungslösung am Sandershäuser Berg favorisieren.

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Während Niestetal bislang an einer Erweiterung des Gewerbegebietes um etwa 22 Hektar festhält, um die Ansiedlung der Firma Winkler, (Großhändler für Nutzfahrzeugteile) zu ermöglichen, ist nun wieder die Regionalplanung aus dem Jahr 2009 in die Diskussion gekommen.
Demnach wäre eine Erweiterung auf bis zu 135 Hektar nach Norden hin entlang der Autobahn A 7 möglich. Aktuell misst das Gewerbegebiet 38 Hektar. Es war zwischen 2007 und 2010 von der Gemeinde Niestetal im Alleingang als kommunales Gewerbegebiet für 38 Mio. Euro erschlossen worden. Jede weitere Erweiterung muss laut Regionalplan nun als interkommunales Projekt erfolgen.

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Blick auf das Gewerbegebiet Sandershäuser Berg: 38 Hektar misst die bislang von der Gemeinde Niestetal erschlossene Fläche. Eine Erweiterung würde sich auf der Ackerfläche rechts im Bild fortsetzen.

FOTO: RUTH BROSCHE

Bild in Lightbox öffnen (open image in lightbox). Übersicht Gewerbeflächen Sandershäuser Berg

Optionen für die Zukunft

Was nun von den ZRK-Nachbarn begrüßt wird, wird von Niestetals Bürgermeister Marcel Brückmann kritisch gesehen. Schon beim Bürgermeisterwahlkampf 2017 hatte Brückmann bekräftigt, nur eine adäquate Erweiterung des Gewerbegebietes anstoßen zu wollen, „eine, die Niestetal auch verträgt, in verkehrlicher wie auch in ökologischer Hinsicht“.

Nun aber stehen zwangsläufig auch die Interessen der übrigen ZRK-Mitgliedskommunen im Raum. „Tatsächlich geht es bei den Verhandlungen aktuell darum, sich perspektivisch so viele Entwicklungsoptionen wie möglich am Sandershäuser Berg offen zu halten, was aber nur mit einer größeren Lösung denkbar ist“, sagt ZRK-Direktor Kai Georg Bachmann. 

„Dazu bedarf es jedoch einer entsprechenden Vereinbarung zwischen Niestetal und den anderen ZRK-Kollegen“, sagt Bachmann. So liege es jetzt in der Hand Niestetals den Weg für eine kleine, eine wie auch immer mittelgroße oder aber eine ganz große Variante frei zu machen.

„Damit keine Missverständnisse aufkommen: Praktisch geht es den Niestetaler ZRK-Nachbarn jetzt nicht gleich um die sofortige Erschließung der gesamten Fläche“, sagt Bachmann. Eher ginge es darum, sich künftig Entwicklungsoptionen im Regionalplan offen zu halten, um auch in vielen Jahren noch auf mögliche Bedarfe reagieren zu können.


Niestetal muss sich entscheiden

So stünde aktuell tatsächlich nur eine zunächst kleine Erweiterung im Raum, vor allem um der Firma Winkler den Weg frei zu machen. „Die Frage ist jetzt, wie groß diese kleine Erweiterung werden kann, ohne dass weitere Verkehrsanbindungen wie ein Autobahnanschluss gebaut werden müssen“, sagt Bachmann. Zur Klärung dieser Frage sei ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben worden, dessen Ergebnisse Anfang September vorliegen sollen.

Bachmann bekräftigt, dass alle noch ausstehenden Verhandlungen zwischen Niestetal und den ZRK-Nachbarn stets vor dem Hintergrund des neuen ZRK-Siedlungsrahmenkonzeptes gedacht werden sollten. „Das interkommunale Zusammenspiel für eine bestmögliche Entwicklung des Kasseler Umlandes ist ja nur die eine Seite“, sagt Bachmann. Die andere Seite sei die erstmalige Festlegung neuer Energieeffizienz- und Umweltschutzstandards bei der Planung von Gewerbegebieten. Mit anderen Worten: Elemente wie Gründächer, Eigenstromnutzung durch Fotovoltaik sowie umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz wie die Anlage von Waldsäumen können obligatorische Planungsbestandteile werden.

Zumindest in diesem Punkt könnten Niestetal und die ZRK-Nachbarkommunen in der weiteren Auseinandersetzung um die Größenbestimmung des Gewerbegebietes Sandershäuser Berg zusammenfinden.

Denn erst Anfang Juli hatte sich die Niestetaler SPD klar für ein „ökologisch nachhaltiges Gewerbegebiet mit hohem Anspruch“ positioniert, bei dem auch ein „für Niestetal wahrnehmbarer naturschutzrechtlicher Ausgleich“ geschaffen werden müsse.

Kai Georg Bachmann
Verbandsdirektor
Tel: +49 (561) 1097014
E-Mail: E-Mail schreiben

Hintergrund

Das macht der Zweckverband

Der Zweckverband Raum Kassel mit Sitz in Kassel am Ständeplatz 17 besteht seit 1974. Er nimmt die Aufgaben eines städtebaulichen Planungsverbandes wahr. Mitgliedskommunen sind die Stadt Kassel, der Landkreis Kassel sowie Ahnatal, Baunatal, Calden, Fuldabrück, Fuldatal, Kaufungen, Lohfelden, Niestetal, Schauenburg und Vellmar. Für diese Kommunen plant der ZRK, „damit Flächen- und Nutzungsanforderungen auch für Wohnen, Gewerbe, Einzelhandel und Verkehr möglichst ohne Konflikte mit Natur, Freiraum und Nachbarschaften realisiert werden können“.

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