Attraktive Gewerbeflächen sind rar

Kommunen im Landkreis können von Zusammenarbeit profitieren

Kreis Kassel - Die Nachfrage nach Gewerbeflächen im Landkreis Kassel ist groß. Noch gibt es freie Flächen, etwa im Gewerbepark Kassel-Niederzwehren, am Kassel Airport und im Hiddeser Feld, aber sie werden weniger. Da sind sich Wirtschaftsförderung Region Kassel (Wfg) und der Zweckverband Raum Kassel (ZRK) einig. Abhilfe sollen Erweiterungen etwa am Sandershäuser Berg bei Niestetal schaffen. Aber auch Kommunen mit begrenztem Flächenangebot haben Chancen, Gewerbe vor Ort anzusiedeln.

[In der Blog-Übersicht wird hier ein Weiterlesen-Link angezeigt]


Die Nachfrage

Wfg-Geschäftsführer Kai Lorenz Wittrock erklärt dazu: „Es gibt durchaus Nachfrage nach Flächen um die 1000 Quadratmeter. Oft handelt es sich dabei um Betriebe, die ihren Lebensmittelpunkt in der Kommune haben, vor Ort arbeiten und leben wollen.“ Dass dies funktioniere, zeigten Beispiele wie das Fuldataler Gewerbegebiet Mönchswiese. Wichtig sei aber auch in solchen Fällen eine leistungsstarke Internetverbindung.

„Die Nachfrage ist ungebrochen“, sagt Wittrock. Ein Abflauen sei nicht zu erwarten. Bei der Gewerbegebiet-Entwicklung sei es wichtig, perspektivisch zu denken. „Kommunen sollten vorsorglich handeln und Flächen für mögliche Entwicklungen vorhalten.“ Man müsse aber immer auch einen Blick auf Bestand, Brachen und Lücken im Innenbereich haben und Interessen abwägen.

Ein Lösungsansatz

Christoph Haller, kommissarischer Leiter des ZRK, nennt eine weitere Möglichkeit für Kommunen, von Gewerbegebieten zu profitieren: „Durch interkommunale Zusammenarbeit können sich auch solche an gewerblicher Entwicklung beteiligen, die dafür selbst nur begrenzte oder keine geeigneten Flächen haben.“ Kosten für Planung und Entwicklung würden bei solchen Projekten geteilt, aber eben auch zukünftige Gewinne. Das wäre zum Beispiel eine Option für Kommunen wie Söhrewald, wo Platz aber auch Nachfrage laut Rathauschef knapp sind, oder für Städte wie Baunatal. Dort gibt es laut Sprecherin Susanne Bräutigam etwa 50 konkrete Anfragen pro Jahr. Im Verhältnis zu den Bewerbungen stehe aber hier auch zu wenig Fläche zur Verfügung.

Für die am ZRK beteiligten Kommunen sei es ab einer bestimmten Größe des Gewerbegebiets Pflicht, interkommunal zu agieren, sagt Haller. Ein Beispiel sei der Sandershäuser Berg, aber auch Gebiete wie das zwischen Ochshausen und Papierfabrik angedachte. „Dort hat die vorbereitende Untersuchung begonnen.“

Die Herausforderung

Das Beispiel zeigt, Gewerbegebiete zu erschließen ist ein diffiziler Abwägungsprozess. Schließlich gibt es auch Bedenken, etwa vor Auswirkungen auf die Natur, Flächenversiegelung und die Belastung der Anwohner durch Verkehr. Das Lohfeldener Parlament hatte daher eine Voruntersuchung zuerst abgelehnt. „Deshalb ist es wichtig, transparent zu agieren, Betroffene bei jedem Schritt einzubinden“, sagt Haller.

Die Untersuchung sei der erste Schritt, um zu schauen, ob die Erschließung überhaupt rechtssicher machbar ist. Ein Ergebnis wird Mitte 2023 erwartet. Danach folgen weitere demokratische Abstimmungsprozesse und Gutachten bis die Erschließung beginnen kann. Bis sich Betriebe ansiedeln, werden noch Jahre vergehen.

Das Problem

Das kann ein Problem sein, wie Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU) erklärt. Die Erfahrung habe man auch in Ihringshausen-West gemacht. „Die Nachfrage ist konjunkturabhängig.“ Eine Anfrage für eine große Fläche könne auch schnell wieder platzen, wenn zwischen dieser und der Erschließung eine Branchenkrise liege. Daher müsse man abwägen, ob man darauf setzt, eine sehr große Fläche für einen Investor vorzuhalten, oder diese aufzuteilen und mehr Geld für die Erschließung zu investieren. Außerdem müsse man bedenken, längst nicht jede Ansiedlung führe zu hohen Gewerbesteuereinnahmen und Mischgebiete böten auch Konfliktpotenzial. „Augenmaß und eine Risikoabschätzung sind ganz wichtig“, sagt Schreiber.

Dr. Christoph Haller Dr. Christoph Haller
Leitung Planung
Telefon: +49 (561) 1097033
E-Mail: E-Mail schreiben