Kassel als 15-Minuten-Stadt

Studierende machen Vorschläge für nachhaltige Siedlungsentwicklung

Kassel - Die Region Kassel wächst: In der Stadt und dem Umland werden immer mehr Flächen bebaut - zum Leidwesen der Umwelt und der landwirtschaftlichen Flächen. Gleichzeitig sind Geschäfte und soziale Einrichtungen in manchen Vororten weit verstreut und schwer erreichbar. Vorschläge, wie dieser Entwicklung mit nachhaltiger Siedlungspolitik begegnet werden kann, haben Studierende des Fachbereichs Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung (ASL) der Uni Kassel nun dem Zweckverband Raum Kassel (ZRK) und Kommunalpolitikern präsentiert.

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„Wohnungsbau und Flächenversiegelung spielen auch beim Klimaschutz eine zentrale Rolle“, sagt Prof. Dr. Markus Leibenath vom Fachbereich Landschaftsplanung und Kommunikation. „Den politischen Entscheidungsträgern ist das Problem bewusst, aber oftmals fehlt es an zukunftsweisenden Strategien. „Die Studierenden haben die Ausgangslage mit unverstelltem Blick analysiert und realitätsnahe Lösungen erarbeitet.“ 22 Studierende waren an dem Projekt unter Leitung von Leibenath und Dr. René Burghardt beteiligt und konnten eigene Themenschwerpunkte setzen.

Ein regionales Ernährungssystem, die Nutzung von brachliegenden Flächen oder Pläne für Kassel als 15-Minuten-Stadt, in der man alle Einrichtungen des täglichen Bedarfs innerhalb einer Viertelstunde mit Bus, Bahn, Fahrrad oder zu Fuß erreichen kann: Was die Studierenden jetzt bei ihrer Online-Abschlussveranstaltung präsentierten, waren Utopien für eine nachhaltige und soziale Stadt- und Landschaftsentwicklung.

Zwei studentische Gruppen hatten sich mit dem Schauenburger Ortsteil Elgershausen beschäftigt. Dort soll bald ein neues Wohngebiet entstehen. „Wir hatten das Ziel, diese Fläche sozial nachhaltig zu entwickeln, also keinen Teppich an Einfamilienhäusern dahinzubauen, wo jeder dann für sich lebt, sondern die Gemeinschaft zu fördern“, sagt David John, dessen Gruppe Vorschläge für mehr sozialen Zusammenhalt erarbeitete. „Weil die Siedlung am Rand des Ortsteils entsteht, wollten wir auch Vernetzung mit den bestehenden Wohngebieten schaffen, um einen Austausch zu gewährleisten.“

Zum Beispiel schlugen die Studierenden vor, Mehrgenerationenhäuser zu etablieren, den Friedhof als eine Art Park umzugestalten und „Sharing“-Angebote für die Nachbarschaften einzurichten, wo zum Beispiel Werkzeug gemeinschaftlich genutzt und ausgeliehen werden kann. Wichtig dafür wäre, Flächen effizienter zu nutzen als durch Einfamilienhäuser, sagt Student Lukas Häfner. „Wenn wir an die nächsten 50 Jahre denken und uns anschauen, wie viel Fläche es braucht, so ein Haus zu bauen, stoßen wir auf Probleme.“ Die Vorschläge wurden auch von politischen Vertretern interessiert aufgenommen – die Aussicht, langfristig vom Konzept des Einfamilienhauses abzukehren, gefiel jedoch nicht allen.

Gleichwohl lobte Dr. Christina Grebe vom Zweckverband Raum Kassel, die das Seminar mitgeplant hatte, die Kooperation sehr: „Wenn Studenten Ideen haben, hat das so viel Mehrwert“, sagte sie. „Es eröffnet uns neue Horizonte und Perspektiven.“

Dr. Christina Grebe - Energiewende und Klimaschutz Dr. Christina Grebe
Stellvertretende Leitung Planung,
Energiewende und Klimaschutz
Telefon: +49 (561) 1097020
E-Mail: E-Mail schreiben

Prof. Dr. Markus Leibenath Prof. Dr. Markus Leibenath
Landschaftsplanung und Kommunikation